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"Auf Sand gebaut" - Der Film zum neuen Album

Seit über einem Jahr arbeiten wir nun schon an unserem zweiten Studioalbum "Auf Sand gebaut". Wir haben schon viel geschafft, und auch wenn noch einiges zu tun ist, hoffen wir die Platte im Laufe dieses Jahres fertig zu stellen. Passend zum neuen Album soll ein ca. 30 minütiger Spielfilm entstehen. Was es damit auf sich hat und wie das Ganze aussehen soll erfahrt ihr hier! 

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Der episodische Musik-Kurzfilm „Auf Sand gebaut“ spielt in der fiktiven Welt eines surrealen Gebäudes, das für dessen Bewohner*innen ihr ganzes alternativloses Universum darstellt. Dass das stetige Weiterbauen nach oben für Erschütterungen und immer größer werdende Risse in den Wänden und dem Fundament sorgt, ignoriert die hedonistische Gesellschaft weitestgehend. Nur Lin, eine junge Frau, die zwischen den Rissen die Leere und mangelnde Intensität ihres eigenen Lebens spürt, geht schließlich auf die Suche nach Antworten und macht im Keller des Gebäudes eine unerwartete Entdeckung. 

DIE FORM

Die Arbeit mit meiner Band „Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung“ ist von Beginn an eng mit dem Medium Film verknüpft gewesen. Einerseits, da sowohl ich selbst, als auch zwei weitere Bandmitglieder, studierte Filmkomponisten sind, andererseits, da ich zu vielen unserer eigenen Songs, gemeinsam mit Kolleg*innen von der Münchner Filmhochschule, Musikvideos gedreht habe, die im Laufe der Zeit immer aufwendiger und stilistisch umfassender wurden. Dabei war ich immer wieder von der Frage getrieben: Wie kann man das Prinzip Musikvideo, also die visuelle Darstellung von Songs, weiter und neu denken? Während der Arbeit an unserem neuen Album kam mir die Idee, statt der gängigen, einzelnen Videoclips, einen Kurzfilm zu drehen, indem mehrere Lieder, ein einheitliches Narrativ bedienen und gemeinsam mit Dialog und Spielhandlung eine fortlaufende Geschichte erzählen. Da auch das Album einem klarem Konzept folgen wird und die Songs thematisch zusammenhängen werden, bot sich diese Idee an. Gemeinsam mit der Dramaturgin und Theaterautorin Natalie Baudy, entwickelte ich eine Form, in der jede der vier jeweils 5 - 8 Minuten langen Szenen eines Kurzspielfilms, inhaltlich einem Song zugeordnet ist. Die Handlung entwickelt sich dabei jedoch kontinuierlich fort, sodass die Episodengrenzen immer nur ein kurze Zäsur darstellen. Abgesehen von der inhaltlichen Verbindung zwischen dem Song  und der jeweiligen Episode, kommen auch alle Lieder in der zugehörigen Szene konkret vor. Mal läuft der Song im Radio, mal wird er von der Band in einer Bar live gespielt, mal ist er Fahrstuhlmusik. Allerdings sind sie niemals bloßer Score, sondern immer aktiver Teil der Handlung. So entstand über die letzten Monate das Drehbuch für einen ca. 25 minütigen, episodischen Musikfilm.

DIE Idee

Der Historiker Yuval Harari schreibt in seiner „kurzen Geschichte der Menschheit“ über die „erfundene Ordnung“, als Grundlage unserer Zivilisation. Eine Fiktion, die durch den Glauben vieler Individuen zu einer realen Macht wird. Doch im Angesicht zunehmender globaler Krisen müssen wir erkennen wie fragil und endlich dieses erfundene Konstrukt unserer Ordnung ist. Es zeigen sich mehr und mehr Risse im System des grenzenlosen Wachstums, und es scheint als würden wir langsam nach unten schauen und erkennen, dass alles nur auf Sand gebaut ist - das Fundament droht ins Rutschen zu geraten. Doch wie unveränderlich sind die Strukturen, in denen wir leben wirklich? Und was hält die Zukunft für uns bereit, wenn wir weiterhin nichts aus unseren Fehlern lernen und unser Verhalten nicht langfristig ändern? Begleitet von diesen Fragen begann ich im Frühjahr letzten Jahres erste Ideen und Texte für ein neues Album und den dazugehörigen Kurzfilm zu entwickeln. „Nur du und ich, in einer heilen Welt, die um uns auseinander fällt“, war eine der ersten Zeilen die dabei entstand. Daraus zeichnete sich langsam ein immer klareres Bild ab, das den Zustand der „erfundenen Ordnung“ metaphorisch darstellt und so zum Spielort der Films werden sollte: Ein in sich geschlossenes Gebäude, das nach oben immer weiter gebaut wird und langsam aber sicher von seinem eigenen Gewicht zum Einsturz gebracht wird. Die Zeichen sind dort bereits überall zu lesen: die Wände sind voller Risse, immer wieder sind bedrohliche, unheilvolle Geräusche zu hören. Doch die hedonistischen Bewohner*innen, für die das Innere dieses Gebäudes ihr gesamtes, bekanntes und somit alternativloses Universum darstellt, ignorieren die offensichtliche Bedrohung weitestgehend und belassen es bei Diskussionen und Eskapismus. Zudem beschäftigte mich schon länger eine Geschichte über die Suche nach Intensität, in einer scheinbar entzauberten und zunehmend berechenbaren Welt. Eine Narration, stellvertretend für die Suche einer Generation die, bis vor kurzem, niemals vor ernsthafte Probleme und Herausforderungen gestellt war. Es reizte mich die persönliche Erfahrung eines diffusen Verlangens nach Intensität im eigenen Leben, in diese surreale Welt eines zusammenbrechenden Gebäudes zu setzen. So entstand nach und nach die Geschichte von Lin, die durch ihre persönliche Suche nach intensiven Gefühlen, ohne es zu wollen, zugleich auch Antworten auf die großen, intersubjektiven Fragen ihrer vom Untergang bedrohten Gesellschaft findet. Denn ist da wirklich nur diese eine fiktive Realität oder gibt es vielleicht einen Ausgang, der uns die Tür zu neuen Welten öffnet?

DIE WELT

Wir befinden uns in der fiktiven Welt eines in sich geschlossenen Gebäudes. Es gibt keine Fenster und das Innere dieses Gebäudes stellt für die Bewohner*innen ihr einzig bekanntes und somit alternativloses Universum dar. Niemand kann sagen wie groß es ist, oder wo seine Grenzen sind, da es stetig nach oben erweitert wird und ein gewisses Eigenleben entwickelt hat. Immer wieder erscheinen in den verschiedenen Stockwerken neue Räume, die bereits fertig eingerichtet und somit von Anfang an einer klaren Funktion zuzuordnen sind. Neben diesen Räumen des alltäglichen Nutzens, die von einer machtausübenden Instanz, der Architektin, kategorisiert und dann für verschiedene gesellschaftliche Gruppen freigegeben werden, haben alle Bewohner*innen ein ihnen zugeteiltes privates Zimmer. Die Gänge und Flure bilden einen öffentlichen Raum, in dem gesellschaftliches Leben stattfindet. Es gibt ein zentrales Treppenhaus über das die Stockwerke gewechselt werden können, allerdings wird dort jeder Eingang von Wärter*innen bewacht, und der Zugang zu einem Flur auf dem man nicht selbst lebt, ist nicht ohne triftigen Grund möglich. Schon seit geraumer Zeit sind überall in den Wänden dieses Gebäudes zunehmend große Risse zu erkennen, der Putz bröckelt ab, die Bausubstanz ist in einem immer schlechteren Zustand. Außerdem ist in regelmäßigen Abständen aus den Tiefen des Gebäudes ein dumpfes, unheilvolles Grollen und Krachen zu hören, das in immer kürzeren Abständen für Erschütterungen sorgt. Die Bewohner*innen nehmen davon durchaus Notiz und es gibt verschiedenste Gerüchte und Theorien darüber, was es damit auf sich hat, doch alle sind so sehr in ihrem kontrolliert hedonistischen Lebensgefühl und dem selbstverständlichen Vertrauen darauf, dass ihr Leben immer so weitergehen wird, verhaftet, dass niemand ernsthafte Anstrengungen unternimmt der Sache auf den Grund zu gehen. 

Episode 1

Auf einem der Flure leben Lin und Arndt, beide Mitte zwanzig, sie sind frisch verliebt und genießen ihre Zeit zu zweit. Wir begegnen den beiden in ihrem Zimmer als Lin Arndt davon berichtet, dass auf dem Stockwerk unter ihnen ein neuer Raum entdeckt worden sei, vollkommen leer und scheinbar ohne erkennbaren vorherbestimmten Nutzen. Das ist zwar ungewöhnlich, doch da er von der Architektin bereits untersucht und für nutzlos erklärt wurde, sieht Arndt, wie alle anderen Bewohner*innen, keinen Grund sich weiter damit zu beschäftigen. Lin jedoch, die sich schon länger tiefere Gedanken über den Zustand ihrer Welt macht und einen außergewöhnlichen, visionären Blick auf die Geschehnisse hat, erkennt in dieser Nachricht ein besonderes Potential. Sie erzählt Arndt, dass sie schon länger eine diffuse Sehnsucht nach etwas spürt, was intensiver, echter, oder schlicht anders ist als ihr alltägliches Leben sonst. Daher lässt sie dieser neue, leere Raum nicht los, weil sie darin eine Möglichkeit für unkontrollierte und damit außergewöhnliche Erfahrungen sieht. Arndt fehlt diese Vision jedoch und auch wenn er durchaus versucht ihr zu folgen und es gerade dieser ungewöhnliche Blick auf die Dinge ist, der Lin für ihn so anziehend macht, kann er ihn nicht ganz teilen. Während die beiden schweigend im Bett liegen und Lin ihren Gedanken nachhängt, läuft im Radio der erste dem Film zugehörige Song: „Heile Welt“

Episode 2

Wir bewegen uns in den angrenzenden Flur, der als öffentlicher Raum den zentralen Treffpunkt dieses Stockwerks, die „Bar Kalypso“ darstellt. Um Punkt zwölf strömen hier viele junge Menschen aus den Zimmern  in den Flur und an die Tische. Sie sind alle vollkommen überdreht und abgespannt und lachen alle ein wenig zu laut um wirklich glücklich zu wirken. Sie tragen bunte, extravagante Kleidung, die jedoch keiner klaren Epoche oder sozialen Schicht zuzuordnen ist. Wir bekommen einige Gespräche zwischen den Gästen mit, die sich alle ständig gegenseitig ins Wort fallen und deren überzogene Theorien und Aussagen weitestgehend ins Leere laufen. Wir sehen die oberflächliche und inhaltsleere Welt, die Lin offensichtlich immer abstoßender findet. Auch sie treffen wir mit zwei Freund*innen in der Bar wieder, die jedoch ebenso wie Arndt ihre Vision von der Freiheit eines leeren Raums nicht nachvollziehen können. Lin wirkt daraufhin abwesend und nachdenklich. Dann beginnt in der Bar der Höhepunkt der alltäglichen Unterhaltung: eine Band spielt einen düsteren, energetischen Swing, der zweite dem Film zugehörige Song, („Bar Kaylpso“) zu dem alle wild, wie in Trance tanzen. Alle - bis auf Lin. Sie bleibt als Einzige zwischen den  hysterisch Feiernden sitzen. Als die Ekstase ihren Höhepunkt erreicht, steht sie auf und geht durch das Chaos der Party hindurch fort vom Geschehen, durch eine Tür hinein ins Treppenhaus. 

Wenn ihr wissen wollt wie es weiter geht und nicht bis zur Premiere des Films warten wollt, dann könnt ihr in unserem Corwdfunding das signierte Drehbuch als Dankeschön auswählen. Unten findet ihr alle Informationen noch einmal zusammengefasst in unserer Projektmappe.